Der Volkswagen e-Golf ist eine vollelektrische, emissionsfreie Version des Golf-Schrägheckmodells, die zwischen 2014 und 2020 produziert wurde. In diesem Artikel erklären wir häufige Gründe, warum ein Volkswagen e-Golf nicht lädt, und geben Informationen zu Reparatur und Reparaturkosten.

Kurzüberblick — die häufigsten Ursachen (in Reihenfolge von häufig zu seltener)
- Fehler an der Ladebuchse / Verriegelungsaktuator (Charge pin / actuator).
- Defektes oder fehlerhaftes Ladekabel / EVSE / Hausanschluss (Sicherung, GFCI).
- Fehler am On-Board-Charger (OBC, AC→DC-Wandler).
- Schwache oder leere 12-Volt-Batterie (steuert Steuerung/Einschalten der HV-Kontaktoren).
- Elektrische Sicherung / Hochvolt-Sicherung, Kontaktor oder Leitungsproblem im HV-Zweig.
- Batterie-Management-System (BMS) / HV-Batteriezellenfehler oder Schutzabschaltung (thermisch, Zellungleichgewicht).
- Software / Ladeeinstellungen / Timer / Kommunikation (Fahrzeug blockiert Ladevorgang).
Im Weiteren jede Ursache einzeln mit Details.
1) Ladebuchse / Verriegelungsaktuator (Charge-pin actuator)
Der mechanische Verriegelungs-/Entriegelungsstift in der Ladebuchse (der den Stecker einrastet) bewegt sich nicht korrekt oder erreicht nicht die Verriegelungsposition. Dann erlaubt die Fahrzeugsteuerung das Laden nicht. VW hat für das e-Golf-Modell ein offizielles Technisches Bulletin und ein Reparaturset (Aktor/Reparaturkit) veröffentlicht.

Symptome:
- Beim Einstecken bewegt sich der Verriegelungsstift sichtbar hin und her, es lädt aber nicht.
- Ladeanzeige am Stutzen / Auto wechselt auf Fehler (rot) oder zeigt „nicht verriegelt“.
Diagnose:
- Sichtkontrolle beim Einstecken: sieht der Stift aus, als würde er die Verriegelungsposition nicht erreichen? (TVS / TSB-Diagnosevorschlag).
- Fehlercodes im Lade-Steuergerät (Charge manager J966) auslesen — DTC z. B. P33E800.
Reparatur / Hinweise:
- Oft ist ein Austausch des Aktuators oder der Ladebuchsenbaugruppe nötig. VW veröffentlichte ein Reparaturkit, das den Aktuator separat ersetzt. Arbeiten verlangt Hochvolt-Deenergisierung (fachgerecht durch Werkstatt).
- Manche Eigentümer berichten, dass Schmiermittel (z. B. Silikonspray) den Mechanismus vorübergehend wieder gängig macht; das kann eine kurzfristige Maßnahme sein, ersetzt aber nicht die fachgerechte Reparatur bei Defekt.
Kosten:
- Teile + Arbeitszeit beim Händler/Werkstatt: Erfahrungswerte von Besitzern liegen typischerweise bei ~500–1.400 EUR
2) Defektes Ladekabel / EVSE / Hausanschluss (Sicherung, GFCI)
Das Problem sitzt nicht am Auto, sondern an der Stromquelle — das Ladekabel oder die Sicherung/GFCI/Anschlussdose liefert keinen Strom oder bricht die Kommunikation ab. Viele vermeintliche „Auto-Fehler“ sind in Wahrheit eine gestörte Ladestation oder ein ausgelöster Schutzschalter.
Symptome:
- Auto zeigt „Stecker eingesteckt“, aber Ladevorgang startet nicht.
- Fehler tritt nur bei einer bestimmten Steckdose / Ladestation auf; an anderen Stationen lädt das Fahrzeug normal.
Diagnose:
- Testen Sie das Auto mit einem anderen, bekannten funktionierenden Ladekabel oder an einer öffentlichen Ladestation. Wenn dort geladen wird, liegt es an Kabel/EVSE/Anschluss.
- Überprüfen Sie Sicherungskasten/GFCI (z. B. NEMA-Stecker mit FI); wenn die Sicherung auslöst, kann das auf Erdschluss oder Überlast hindeuten.
Reparatur / Hinweise:
- Kabel/EVSE: Kabel austauschen oder reparieren (bei sichtbaren Schäden nicht weiter verwenden).
- Hausinstallation: Elektriker prüfen (Leitung, Absicherung, Anschluss, mögliche Nuisance-Trips des RCD).
- Manche Probleme beheben sich durch Reset der Ladestation oder des Schutzschalters.
Kosten:
- Neues hochwertiges Heim-Typ-2-Ladekabel / EVSE: 100–500 EUR je nach Leistung/Marke.
- Elektriker / Hausanschlussnachbesserung: 100–400 EUR (abhängig vom Umfang, Leitungslänge, Absicherung).
- Austausch öffentlicher Ladestation: variabel, oft Wartungskosten.
3) On-Board-Charger (OBC) defekt
Der OBC (im Fahrzeug) wandelt das von der AC-Ladestation kommende Wechselstrom in Gleichstrom für die HV-Batterie. Fällt diese Einheit aus oder eine zugehörige Leistungsstufe (z. B. PFC-Controller), startet kein AC-Ladevorgang.
Symptome:
- Keine AC-Lademöglichkeit, ggf. noch DC-Schnellladung möglich (falls Fahrzeug DC-Empfang hat).
- Fehlermeldungen im Diagnosegerät, spezielle Fehlercodes zu PFC/Charger.
Diagnose:
- OBD/DTCs mit geeignetem Diagnosegerät (VAG-Tools, Werkstatt) auslesen.
- Test an einer anderen Ladesäule: wenn weiterhin kein AC-Laden möglich, Wahrscheinlichkeit OBC hoch.
Reparatur / Hinweise:
- Austausch des On-Board-Chargers (OEM-Teil). VW-Ersatzteilnummern existieren (z. B. 5QE915681N für einige Baujahre).
- Manchmal sind vorgelagerte Sicherungen oder Schutzbauteile (schmelzsicherungen, Hochvolt-Sicherung) defekt — das kann vor Austausch kostengünstiger geprüft werden.
Kosten:
- OEM-OBC (Ersatzteil): mehrere hundert bis über 1600 EUR. Arbeitskosten kommen hinzu.
4) Schwache / leere 12-Volt-Batterie
Obwohl die Fahrbatterie die Energie liefert, benötigt das Auto eine intakte 12-V-Spannung, um die Steuergeräte zu aktivieren und die Hochvolt-Kontaktoren zu schließen. Ist die 12-V-Batterie zu schwach, startet das Ladesystem nicht.
Symptome:
- Fahrzeug zeigt Meldungen „12V Batterie niedrig“; beim Einstecken passiert nichts.
- Nach Laden oder Austausch der 12-V-Batterie funktioniert das Laden wieder.
Diagnose:
- Ruhespannung der 12-V-Batterie messen (Multimeter). Unter ~12,2–12,4 V ist die Batterie schwach; unter ~12 V kritisch. Unter Last messen (Startversuch-ähnlich) zeigt Belastbarkeit.
Reparatur / Hinweise:
- 12-V-Batterie laden oder ersetzen (konventionelle Blei-Säure oder AGM/Lithium je nach Ausführung). Achten Sie auf richtige Spezifikation.
Kosten:
- Neue 12-V-Batterie (Einzelteil): ~50–150 EUR (je nach Typ und Anbieter). Einbau meist günstig oder selbst machbar.
5) Hochvolt-Sicherungen, Kontaktoren, HV-Leitungen
Defekte Hochvolt-Sicherungen (fuse links), ausgelöste Schutzschaltungen oder defekte Kontaktoren verhindern, dass die HV-Batterie mit dem Ladesystem verbunden wird. Solche Bauteile sind sicherheitsrelevant und müssen von Fachpersonal geprüft.
Symptome:
- Ladesystem wird nicht aktiviert; möglicherweise Warnlampen oder Fehlercodes.
- Keine Reaktion beim Einstecken, oder kurzer Relaunch-Klick, dann Stopp.
Diagnose:
- Werkstatt: HV-System deenergisieren und Sicherheitschecks; Auslesen von HV-DTCs; Sichtprüfung der Sicherungen/Kontaktoren.
Reparatur / Hinweise:
- Austausch defekter Sicherungen/Kontaktoren durch autorisierte Werkstatt. Bei Leitungs-/Kabelschäden ist auf Hochvolt-Sicherheit zu achten.
Kosten:
- Ersatzteile variieren stark: einzelne Sicherungen/Relais sind günstiger, Kontaktoren oder HV-Kabelstränge können einige hundert bis tausende Euro kosten, je nach Schaden.
6) BMS, Zellenausfall oder Batterie-Schutzabschaltung
Das Batterie-Management-System erkennt ein Sicherheitsproblem (z. B. Zellenausgleich, Überhitzung, interne Kurzschlüsse) und verweigert Laden zum Schutz der Batterie. Bei schwerer Degradation kann ein kompletter Batterietausch nötig werden.
Symptome:
- Ladevorgang startet nicht; DTCs oder Meldungen zur Batteriegesundheit; reduzierte Reichweite; starke Degradation.
Diagnose:
- Fachwerkstatt mit HV-Diagnosegerät und BMS-Fehlerauslesung; Zellenspannungs-/Temperaturprüfungen.
Reparatur / Hinweise:
- Bei Balance/Softwareproblemen: BMS-Rekalibrierung oder Module-Austausch möglich.
- Bei Zellschäden: Austausch ganzer Batterie-Pack(s) meist notwendig. Herstellerpreise sind hoch (siehe unten).
Kosten:
- Batteriepack-Austausch beim e-Golf: in Berichten werden sehr hohe Preise genannt — z. B. wurde für 2017/2018 e-Golf ein Ersatzpack mit ~20.000 EUR zitiert. Es gibt gebrauchte/rekonditionierte Optionen deutlich günstiger (z. B. Angebote ~9.000 EUR), aber Verfügbarkeit und Garantie variieren.
7) Software, Lade-Timer oder Kommunikationsfehler
Fahrzeugseitige Ladezeitsteuerung, Ladekarten-/Auth-Fehler, Firmware-Bugs oder Kommunikationsprobleme mit der Ladestation verhindern Start des Ladevorgangs.
Symptome:
- Ladevorgang startet nicht trotz richtiger Verbindung; Alarm/Timer-Einstellungen aktiv; App/Meldungen der Ladestation zeigen Kommunikationsfehler.
Diagnose:
- Fahrzeugeinstellungen prüfen (zeitgesteuertes Laden deaktivieren).
- Fehlermeldungen in der Fahrzeug-App oder am Display der Ladestation prüfen. Werkstatt-Softwareupdates können helfen.
Kosten:
- Meist gering: Software-Update / Fehlersuche Werkstatt 50–150 EUR; sofern keine Teile nötig sind.
Praktische Schritt-für-Schritt-Fehlerprüfung (Checkliste)
- Testen Sie ein anderes Ladekabel / andere Ladestation. Lädt das Auto dort, liegt das Problem an Kabel/EVSE.
- Prüfen Sie die 12-V-Spannung mit Multimeter (oder lassen Sie es prüfen). Wenn < 12,2 V: Batterie laden/ersetzen.
- Sichtprüfung Ladebuchse: Verschmutzung, Korrosion, festsitzende Verriegelung. Kurzes Silikonspray als temporäre Maßnahme möglich (vorsichtig).
- Lesen Sie Fehlercodes am Fahrzeug (OBD-Tool, VCDS/OBDEleven oder Werkstatt). Das leitet häufig zur Ursache (z. B. P33E800 = mechanische Verriegelung).
- Wenn alles oben negativ: Werkstatt-Diagnose für OBC / HV-System (sicherheitsrelevante HV-Arbeiten nur durch Fachwerkstatt).